PSYCHOANALYTISCHE FRÜHJAHRSGESPRÄCHE 2012

 27. - 28. April 2012

Windischgarsten/Roßleithen

 

Melancholie und moderne Depression

Rolf-Peter Warsitz, Kassel

Die Depression gilt heute als verbreitetste psychiatrische Diagnose und Depressive bilden vermutlich auch die größte Patientengruppe in der psychoanalytischen Praxis.

Der Soziologe Alain Ehrenberg erklärt in seiner Studie Das erschöpfte Selbst (2004) die Depression zur Krankheit der zeitgenössischen Gesellschaft, deren Verhaltensnormen nicht mehr auf Schuld und Disziplin gründen, sondern auf Verantwortung und Initiative. Hat sich die Verfasstheit des modernen Subjekts in den letzten 100 Jahren wirklich substantiell verändert?

Freud ging in Trauer und Melancholie (1917) noch von einem Subjekt aus, bei dem die seelische Verarbeitung des Verlusts zentral war. So galt für Freud die Trauerarbeit als heilsamer Weg, um die libidinöse Besetzung vom verlorenen Objekt abzuziehen. Dem stellte er die pathologischen Trauer in Form der Melancholie gegenüber, bei der das Objekt nicht aufgegeben werden kann, sondern durch eine narzisstische Identifizierung in das Ich aufgenommen wird und dadurch vom Hass, welcher dem Objekt gilt, getroffen wird.

Stimmt es (wie Ehrenberg unterstellt), dass der spätbürgerliche Melancholiker Freuds tatsächlich gegenwärtig durch ein postmodernes Individuum abgelöst wird, dem alle Möglichkeiten offen zu stehen scheinen, und das geprägt ist von der Angst, bei seiner Selbstverwirklichung zu versagen? Einer Angst, die sich leicht zum Gefühl der Erschöpfung steigern kann und sich in Versagens-, Scham- und Insuffizienzgefühlen und schließlich in depressiven Symptomen niederschlägt.

 

Programm:
3 Vorträge mit Diskussion

Freitag, 27. April 2010, 17 – 20h
1.Das Selbst, der Körper und die Angst in der Melancholie

Samstag, 28. April 2010, 9 – 13h
2. Die Dynamik des Matrizids und ihre kreative Lösung (J. Kristeva)?3. Das Nadelöhr des Ödipuskomplexes: Melancholie und Hysterie

Prof. Dr. Dr. Rolf- Peter Warsitz?ist Arzt für Psychiatrie, Psychotherapeutische Medizin,
Psychotherapie/ Psychoanalyse (DPV), Lehranalytiker der DPV?und lehrt Soziale Therapie, philosophische Anthropologie und psychoanalytische Theorie?an der Universität Kassel


Kontaktadresse:?Rolf- Peter Warsitz?Baumgartenstraße 23?34130 Kassel
mail: warsitz@t-online.de


Texte von R.P. Warsitz zur Melancholie :

  • Warsitz 1994: Medeas Schwermut. Zur Psychodynamik der Melancholie, in: Fragmente 44/45, Juli 1994, S. 61- 80;
  • Warsitz 1995: Zur Psychodynamik der Melancholie, in: H. Lang/ H. Weiß/ G. Pagel (Hg.): Die Klinik der Psychosen im Lichte der strukturalen Psychoanalyse, Würzburg 1995, S. 87 ff.;
  • Warsitz 2000: Melancholie, in: W. Mertens, B. Waldvogel: Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe, Stuttgart 2000 (Kohlhammer), 440- 445;
  • Warsitz 2007: Melancholie als Inversion des Begehrens. In: Texte. Psychoanalyse, Ästhetik und Kulturkritik. Heft 2, 2007, Passagen Verlag Wien, 23-46


Organisatorisches

Die Frühjahrgespräche sind eine jährliche Arbeitstagung des Arbeitskreises für Psychoanalyse Linz/Graz. Die Teilnahme einer begrenzten Anzahl von Gästen ist möglich. Für diese beträgt der Tagungsbeitrag € 80.-

Anmeldungen zur Tagung bitte bis spätestens 20. März 2012 an:
Angela Spießberger-Rachbauer
angela.spieszberger-rachbauer@gmx.at

Tagungsort
Nationalpark Hotel Villa Sonnwend
A 4575 Roßleithen, Mayrwinkl 80
Tel. 07562/205 92, Fax 07562/206 14
villa-sonnwend@kalkalpen.at
www.kalkalpen.at/villa-sonnwend

Die Aufenthaltskosten betragen ca. € 80.- für Vollpension (Frühstück, Abendessen/Freitag, Mittagessen/Samstag) pro Person im Einzelzimmer.
Zimmerreservierung bitte direkt im Hotel, es steht nur eine begrenzte Anzahl von Einzelzimmern zur Verfügung
Verweisen Sie dabei bitte auf das reservierte Zimmerkontingent des Arbeitskreises für Psychoanalyse.

 

 

Linz, am 15.2.2010
Die Vorbereitungsgruppe des APLG, Sektion Linz:
A. Eisenriegler, A. Spießberger-Rachbauer, G. Zenaty